
Seewind
Ein Klassiker unter Segeln. Seit 1936.
Komm mit auf eine Reise mit dem 30er Seefahrtkreuzer „Seewind“
Geschichte
Ein Seefahrtkreuzer mit Tradition
Der Seewind wurde mit der Baunummer 3018 und der Segelnummer 33 als „Zaunkönig“, zusammen mit der „Grasmücke“ an die Fliegerhorstkommandantur Kiel (Luftwaffe zur See) 1936 ausgeliefert.
Seit den Fünfzigerjahren ist er im Besitz unserer Familie. Nicht nur Menschen, sondern auch Schiffe können spannende Geschichten erzählen. Mit dieser Internetseite möchten wir dazu ermutigen, sich mit alten, schönen unterhaltenswerten Schiffen zu beschäftigen. Sie haben eine Menge zu erzählen.
Von wem wurde er gebaut?
Die Werft Abeking & Rasmussen, kurz A&R, lieferte im Olympiajahr 1936 mit rund 700 Beschäftigten ca. 120 Boote aus. Unter anderem einen 150er, einen 125er (an den Konstrukteur selber), fünf 100er, drei 80er, elf 50er und neun 30er Seefahrtkreuzer. Alles aus einer Hand – Qualität bis ins Kleinste.
Das bedeutet, dass von der Holzbearbeitung über den Eisenbau bis zu den Segeln alles in der Werft selber hergestellt wurde. Der 30er Seefahrtkreuzer ist der kleinste Entwurf der Nationalen Konstruktionsklasse, die bis 250qm geht und 1928 bis 1949 gebaut wurde. Mehr Informationen über die Seefahrtkreuzer findest Du u.a. auf der Wikipedia-Seite mit dem Stichwort: „Seefahrtkreuzer“.
Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende
Konstanzer Yacht Club
konstanzer-yacht-club.deDie Geschichte
Der Seewind hat viele Seemeilen auf dem Bodensee kreuz und quer zurückgelegt. Anfang der Siebzigerjahre gelangen die größten Regattaerfolge mit einem ersten, einem zweiten und einem dritten Platz in seiner Klasse bei der RUND UM. Zu einer eigenen Konstruktionsklasse hat die Anzahl der Schiffe am Bodensee nie gereicht.
Der „kleine“ Seefahrtkreuzer diente als Offiziersschiff für die Freizeit und zum Training der Navigation. Über die Zeit im und nach dem Krieg ist uns nur wenig und nur anekdotenhaft bekannt. Der Zaunkönig wurde von den Alliierten nicht als Kriegsbeute beschlagnahmt und blieb somit in Deutschland.
In den frühen 50er Jahren kam er unter dem Namen „Seewind“ an den Bodensee, zuerst zum Württembergischen Yachtclub Friedrichshafen, dann zum Konstanzer Yachtclub, wo er heute noch ist. Bis zum Mastbruch in den 60er-Jahren wurde er mit Originalrigg gesegelt. Danach bekam er einen Alumast mit Toptakelung und wurde damit etwas an die Bodenseeverhältnisse angepasst.
Konstruktion
Die Konstruktion
Gebaut wurde der Zaunkönig, wie bei A&R üblich, Mahagoni auf Eiche. Bei der Restauration staunten wir über die handgefertigten Nieten, Nägel und Beschläge. Am Deck wurden die Fugen mit kalfatertem Hanf abgedichtet. Trotzdem tropfte es uns bei Regen ständig auf die Nase.


Zeichnungen © Abeking & Rasmussen
- LÜA 9,80 m
- Mast über Deck 11,50 m
- Großsegel 26,72 m²
- Genua 27 m²
- Gennaker 70 m²

- Von der Seite, unter Segeln
- Segelriss, A&R Zeichnung Nr. 10240
- Maße nach der Restaurierung
- Seitenansicht, Draufsicht und Linienriss
- Linienmodell nach A&R Zeichnung Nr. 10238
- Draufsicht mit Decksbalken, Kajüte und Plicht
- Spanten im Abstand von 230 mm, Ballastkiel und Ruder
- Mast 11,50 m über Deck, 9/10-Rigg ohne Backstagen
- Großsegel 26,72 m² und Genua 27 m², am Wind
- Großsegel und Gennaker 70 m², raumschots
- Unter Gennaker auf dem Bodensee
Restauration
Immer wieder wurden Ausbesserungen am Deck oder an den Spanten durchgeführt. 2013 waren dann das Kielschwein und das Totholz auszuwechseln. Der Kiel musste abgenommen werden. Da fiel uns Bleifraß auf. Der Kiel wurde nach Köln transportiert und neu gegossen. Die Außenhaut wurde bis zur Wasserlinie mit GFK überzogen.
2018 bis 2020 wurden dann in einer zweiten Aktion das Deck und der Mast erneuert. Nun hat der Seewind ein 9/10-Rigg, bewusst ohne Backstagen, damit der Mast hoffentlich lange hält. Und das mit den nassen Kojen hat jetzt auch ein Ende. Der alte Flamme-Motor wurde gegen einen Yanmar ausgetauscht. Drei Generationen freuen sich nun über die schönen Formen, über das schöne Material und über die Geschichten, die wir seit nun fast 50 Jahren auf dem Schiff erlebt haben.
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Der neue Kiel. -
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Im Jahr 2018 wurde das Deck originalgetreu (Oregon-Pine) neben einigen Decksbalken erneuert (Bootswerft Sebastian Dentler). -
Einige Decksbalken wurden ausgewechselt. -
Das Vorschiff nach dem Abziehen, bevor das Deck drauf kam. -
Das Deck wurde wieder weiß lackiert (so auch der Originalzustand).
Viele werden sich fragen, warum wir so viel Energie und Geld in ein altes Holzschiff investieren. Der Bootsbau fasziniert uns. Der Wunsch einem unwirtlichen Element zu trotzen. Es zu nutzen. Oder es zu genießen. Jahrhundertelang wurden neue Materialien entwickelt und neue Konstruktionen ausgedacht. Es hat sich eine maritime Kultur entwickelt.
Und in einer Zeit, in der vieles nach kurzem Gebrauch weggeschmissen wird oder gegen eine Neuerung ausgetauscht wird, lassen uns klassische Yachten und Holzboote auch etwas nachdenken. Was sind Fortschritte? Was wollen wir? Was brauchen wir? Was gilt es zu erhalten?
Und immer wieder sagen wir uns: Holz und Wind, mehr brauchen wir nicht, um auf dem Wasser glücklich zu sein!
Details
Oft kommt es auch auf die Kleinigkeiten drauf an
Teil einer Familie
Wir sind Freunde klassischer Yachten. Holz, Wind und Wasser sind die Zutaten um uns glücklich zu machen. Der Seewind ist einzigartig und doch Teil einer großen Familie von traditionsreichen Yachten aus Holz.

„Ein Boot ohne Segel ist wie ein Mensch ohne Träume“